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Es ist sooooo erbärmlich langsam!

Wenn mir irgendwer gesagt hätte, dass ich eines Tages gezielt dafür trainiere werde, langsam zu sein, hätte ich nur den Kopf geschüttelt, hätte mich umgedreht und wäre gegangen. Aber jetzt ist es soweit.

Eigentlich dachte ich, ich hätte meinen Rhythmus für das Stiegensteigen schon gefunden: Einmal aus- und einatmen und dann vier Stufen oder Schritte gehen. Aber heute kam mein Therapeut mit der Idee, es doch mal anders zu versuchen, um länger durchzuhalten. Seine einfache Vorgabe lautete: Einmal aus- und einatmen und dann … zwei Stufen gehen. Es war furchtbar, das ist soooo erbärmlich langsam.

Aber mein Therapeut hatte Recht: Schon beim zweiten Versuch konnte ich tatsächlich viel länger durchgehen – eigentlich müsste man ja fast dahinkriechen sagen, aber es funktioniert. So probiere ich das – ich nenne es jetzt mal „Schlendern“ – auch gleich im Alltag: Ich schlendere also schön langsam nach Hause, ausatmen, einatme, zwei Schritte, ausatmen, einatmen, zwei Schritte … und das Ganze gut hörbar quer über den großen Parkplatz eines Einkaufszentrums.

Ich möchte gar nicht wissen, was die Menschen sich denken, wenn sie mich da so dahin … schlendern sehen, aber es ist jetzt einfach Teil meines Trainings. Ich trainiere, langsamer zu werden, aber dafür länger durchzuhalten. Glaubt mir, das ist ganz schön hart für jemanden, dessen Lieblingssportart der Sprintbewerb war und ist.

Also ein hoch auf die Langsamkeit – ich übe mich fleißig!

Ich habe einen wunderbaren Brief aus Köln bekommen. – Herzlichen Dank!!!

Hallo Eberhard,

nun geht es mit großen Schritten auf deine Challenge zu, wozu ich Dir ganz fest die Daumen drücke.

 

Ich erinnere mich noch gut an meine Besteigung des Kölner Dom im Mai 2015. Die Vorbereitungen dafür nahmen fast ein ganzes Jahr in anspruch. Auch wenn ich mich manchmal verflucht habe, das zu machen, hat es mir auch immer wieder Auftrieb gegeben. Natürlich war ein solches Event nur durch die Unterstützung meiner Ärzte, Physiotherapeuten, der Firma Takeda und meiner Familie und Freunden möglich. Aber das weist du ja mittlerweile auch am Besten.

 

Je näher der Tag kam, desto öfters kamen auch zweifel in mir ob ich dieses Ziel auch erreiche. So viele Treppen machen ja schon Gesunden Menschen zu schaffen, und dann will da einer hoch der kaum Luft bekommt ?!. Aber an diesem Tag hatte ich gar keine Zeit darüber nach zu denken.

Meine Unterstützer hatten alles bis ins Detail geplant. Ein Kamerateam war da, verschiedene Pressevertreter, meine Ärzte, Physiotherapeuten, meine SHG  sowie meine Familie und Freunde.

Schon alleine das war Ansporn genug, diese nicht zu enttäuschen.

 

An den Aufstieg erinnere ich mich noch heute als wäre es gestern. Es war anstrengend, und doch auch wieder etwas besonderes. Schon alleine um mir zu beweisen das mit Willen und Akzeptanz auch mit weniger Atemvolumen etwas zu schaffen ist. gleichzeitig ist mir aber Bewusst das es auch COPD’ler gibt die es sich nicht zu trauen, und auch nicht in der Lage dazu sind.

 

Eins wirst du aber verspüren wenn du es dann geschafft hast, oben auf dem Stephansdom zu stehen. Du wirst zwar müde sein aber auch stolz auf dich selbst. Denn das ist es was du wie auch Ich damit wollte. Sich selbst, trotz dieser Krankheit, beweisen das man es schaffen kann.

Und wenn wir dann noch anderen Kranken damit etwas zuversicht geben können haben wir mehr erreicht als wir wollen.

 

Ich drücke dir ganz fest die Daumen, obwohl ich mir sicher bin das auch du es schaffen wirst.

 

Viele Grüße aus Köln
Jupp Brandl

Mein Trainingsplan

Montag, Mittwoch und Donnerstag

Beginn: meistens 09:00 Uhr

 

1) Atemtraining

2) Ausdauer / Ergometer

3) Kraftteil

  • Übungen mit der Kurzhantel für Bizeps Schulter und Brust
    jeweils 3 Sätze zu 15 Wiederholungen
  • Kniebeugen
  • Ausfallschritt

4) Geschicklichkeit & Koordination

 

Dann ist es ohnehin schon Mittag.

 

Dienstag: Training in der Therme WienMed

Beginn: 15:30 Uhr

 

1) Stiegen steigen

2) Atemtraining

3) Krafttraining

  • Beinpresse
  • Sideblank
  • Seilzug
  • Kniebeugen
  • Ausfallschritt
  • und ein bisschen Rückenrolle zum Ausklang

Ende 17:30 Uhr

 

Sonntag: Outdoor

Entweder 2x 5 km Gehen (meist im Prater)
oder mit dem Rad (Donauinsel oder Lobau)

Video: So läuft das Training für myCOPD-Challenge

Die Vorbereitung auf die Besteigung des Stephansdoms am 21. Nov. läuft in vollen Touren: Jede Woche wird mehrmals trainiert, dreimal daheim, einmal in der Therme Wien. Das wöchentliche Programm umfasst mehrere Atemtrainings sowie Kraft- und Ausdauereinheiten. Dazu kommt am Wochenende Bewegung im Freien, zu Fuß oder mit dem Fahrrad im Prater oder auf der Donauinsel. Mehr erfahren Sie im neuen Video:

 

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier

oder von der Schwierigkeit der Trainingsroutine.

 

Dass sich mal zu lange Trainingspausen einschleichen, etwa wenn einem irgendwelche außergewöhnliche Aktivitäten aus der Routine bringen, ist schnell passiert. Wenn es richtig drunter und drüber geht, ist das ja geradezu unvermeidlich. Das war zum Beispiel bei mir in der Startphase der myCOPD-Challenge so, als mich die kurzfristig notwendige Übersiedelung ganz aus dem Rhythmus geworfen hat. Dann ist ein kurzes Aussetzen des Trainings ja auch okay. Aber das soll es dann auch schon gewesen sein. Denkt man.

 

Was grundsätzlich hilft, ist, Handy und Computer auszuschalten. Denn kaum ist eines von beiden an, gibt es ständig die Möglichkeit einer unwillkommenen Ablenkung – ah, das könnte ja wichtig sein und das wollte ich ja auch noch erledigen.

 

Und ich habe mir wieder einen neuen strengen Plan gemacht. Die Hauptschwierigkeit dabei ist es, keine anderen Termin dazwischen kommen zu lassen. Da muss man richtig konsequent sein und sich immer klar machen, dass nichts wichtiger ist als das regelmäßige Training, dass es meine erste Aufgabe ist, so gut trainiert wie möglich meine Challenge zu bewältigen. Und wenn ich dann ich mich hineinhöre, merke ich auch gleich, wie richtig gut es sich anfühlt, bald wieder an frühere Trainingserfolge anzuschließen. Und ich freue mich dann auch schon darauf, ganz konzentriert zu trainieren, und erst am Nachmittag oder eben am frühen Morgen die anderen Sachen zu erledigen.

 

Auch lege ich wieder mehr Augenmerk auf meine Ernährung. – Da hat mir ein Freund erst kürzlich etwas Witziges erzählt: Ein Diätologe hat ihm empfohlen, alles was er isst, zuerst zu fotografieren, und er meinte dazu: Erst dann fällt dir auf, welchen Junk du eigentlich in dich rein stopfst. – Das klingt nach einer guten Idee!

Jetzt geht es wirklich los!

Nach mehr als einem halben Jahr vorbereitender Organisation, Suche nach Unterstützern und Partnern ist es nun tatsächlich soweit:

 

myCOPD-Challenge am 21. November 2018 ist fixiert. Und somit startet ab sofort auch mein offizielles Training!

 

Wie meine begleitende Ärztin Elisabeth Czuchajda (Therme WienMed) meinte: Wir orientieren uns an den Vorbereitungen zu einem Marathon. Also erstens: Zusätzliches Training zu dem, was ich sowieso schon mache. Und zweitens: Jede Woche steigern!

 

Manchmal bin ich mir nicht mehr so sicher, auf was ich mich hier eingelassen habe.

 

Andererseits freue ich mich schon auch darauf. Ich mag dieses Gefühl, fit zu werden, körperliche Energie aufzubauen. Und dann zu schauen, ob es reicht. Somit kommen also nun zu meinem bisherigen Trainingsprogramm, das aus dreimal wöchentlich Atemtraining, Ausdauertraining und Krafttraining besteht, noch ganz gezielte Übungen hinzu, die mich für den Aufstieg auf den Stephansdom vorbereiten sollen.

 

Na, dann! Los geht’s, rauf auf den Steffl!